Wiener Wirtschaftsklub

Netzwerk der Wirtschaft für Menschen in Österreich

Zur Geschichte des

Wiener Wirtschaftsklubs

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Die Geschichte des

Wiener Wirtschaftsklubs

Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb
Zeithistoriker am Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

Wiener Wirtschaftsklub („WWK“) – Wien IX., Strudlhofgasse 10 

Schon hinter der Adresse Strudlhofgasse 10 im Schreiben des damaligen Ministers für Verkehr und verstaatlichte Betriebe, Dipl.-Ing. Karl Waldbrunner, vom 12. Mai 1950 in Sachen „Gründungsvorstand des Wiener Wirtschaftsklubs“ steckt ein zentraler Erinnerungsort der Geschichte Österreichs. In dem holzgetäfelten Raum des Erdgeschosses des Palais Strudelhof, das 1905 Außenminister Leopold Graf Berchtold erworben hatte, wurde 1914 das Ultimatum an Serbien unterschrieben, das den Ersten Weltkrieg auslösen sollte.

Nach 1945 im Eigentum des Österreichischen Gewerkschaftsbundes sollte es bis 1978 das Sekretariat des WWK beherbergen. Auf diesem historischen Boden fand die Wahl des Vorstandes des Wiener Wirtschaftsklubs statt. Als Vereinszweck wird „die gesellige Zusammenfassung der auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Sozialverwaltung einschließlich der öffentlichen Verwaltung tätigen Funktionäre, ohne Rücksicht darauf, ob diese Funktionäre ehrenamtlich oder beruflich tätig sind“ angegeben. Durch die Führung eines Klubheimes und Informationen an die Mitglieder soll dieser Zweck auch erreicht werden, finanziert durch Klubbeiträge sowie Kostenbeiträge durch Gäste bei den Veranstaltungen des Vereins.

Hinter diesen scheinbar typischen Informationen für einen Verein unter den Hunderttausenden auf Basis des Vereinsgesetzes vom 15. November 1867 steckt aber wesentlich mehr: Der Versuch von der SPÖ zugehörigen Gewerkschaftsfunktionären, Industrie-, Bank- und Verlagsmanagern, in einem informellen Rahmen durch themenorientierte Vorträge und Diskussionen neue Ideen zu wirtschaftspolitischen Konzepten offen zu analysieren, um innovative Strategien für die eigene weitere Arbeit zu entwickeln. Weder innerparteiliche noch berufliche Rahmenbedingungen und Zwänge sollten diese intellektuelle Auseinandersetzung einschränken.

Die Gründungsväter

Die Zusammensetzung des Vorstandes reflektierte die Bedeutung dieses Diskussionskreises:

Bundesminister Dipl.-Ing. Karl Waldbrunner (Obmann): 1949–1956 Bundesminister für Verkehr und verstaatlichte Betriebe, 1956–1962 Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft. 1946 Gesandter und bevollmächtigter Minister in Moskau, 1946–1956 Zentralsekretär der SPÖ, 1965–1974 stellvertretender Vorsitzender der SPÖ, 1950–1973 Präsident des Bundes Sozialistischer Akademiker, 1945–1971 Abgeordneter zum Nationalrat, 1962–1970 2. Präsident des Nationalrats und 1970/1971 1. Präsident des Nationalrats, 1972–1980 1. Vizepräsident der Oesterreichischen Nationalbank.

2. Präsident des Nationalrates und ÖGB-Präsident Johann Böhm: 1945 einer der Gründer des überparteilichen Österreichischen Gewerkschaftsbundes und bis 1959 dessen Präsident, 1930–1934 und 1945–1959 Abgeordneter zum Nationalrat, 1945–1959 2. Präsident des Nationalrates.

Generaldirektor Staatssekretär a. D. Julius Deutsch (Kassier): 1946 aus dem Exil in den USA nach Österreich zurückgekehrt, Leiter der Sozialistischen Verlagsanstalten, des größten Druck- und Verlagskonzerns Österreichs, bis 1951, 1920–1932 Abgeordneter zum Nationalrat und bis 1934 Obmann des Republikanischen Schutzbundes, 1936–1939 General im Spanischen Bürgerkrieg.

Generaldirektor Andreas Korp: 1945 Staatssekretär für Volksernährung, 1952–1953 Staatssekretär für Inneres, 1956–1972 1. Vizepräsident der Oesterreichischen Nationalbank.

Generaldirektor Franz Landertshammer: 1945–1955 Generaldirektor der Österreichischen Länderbank AG, 1938 nach 18 Jahren Tätigkeit aus der Länderbank nach dem „Anschluss“ ausgeschieden, 1934 kurzzeitig vom Dollfuß-Regime verhaftet aufgrund seiner sozialistischen und gewerkschaftlichen Aktivitäten, da bereits seit 1928 als Obmann des Reichsvereines der Bank- und Sparkassenbeamten Oesterreichs sowie als Obmann der Versicherungskassa tätig.

Bundesminister Karl Maisel: 1945–1956 Bundesminister für soziale Verwaltung, 1948–1959 Vizepräsident des ÖGB, 1956–1964 Präsident der Arbeiterkammer Wien, 1945–1959 Abgeordneter zum Nationalrat.

Nationalratsabgeordneter Bundesminister a. D. Alfred Migsch:

1944–1945 im Konzentrationslager Mauthausen, 1947–1949 Bundesminister für Elektrifizierung und Energiewirtschaft, 1945–1966 Abgeordneter zum Nationalrat.

Nationalratsabgeordneter DDr. Bruno Pittermann: 1945–71 Abgeordneter zum Nationalrat, 1957–1967 Bundesparteivorsitzender der SPÖ, 1956–1970 SPÖ-Klubobmann, 1964–1976 Präsident der Sozialistischen Internationale, 1957–1966 Vizekanzler, 1959–1966 mit den Agenden der verstaatlichten Unternehmungen betraut.

Nationalratsabgeordneter Otto Probst: 1935/1936 und 1937 in politischer Haft während des Schuschnigg-Regimes, 1939–1943 im KZ, 1946–1970 Zentralsekretär der SPÖ, 1970–1974 Obmann der SPÖ Wien, 1945–1978 Abgeordneter zum Nationalrat (1970–1978 3. Präsident), 1963–1966 Bundesminister für Verkehr.

Nationalratsabgeordneter Anton Proksch: 1946 Generalsekretär des ÖGB, 1945–1966 Abgeordneter zum Nationalrat, 1956–1966 Bundesminister für soziale Verwaltung.

Vizekanzler Dr. Adolf Schärf:  1934, 1938 und 1944 in politischer Haft, 1945–1957 Bundesparteivorsitzender der SPÖ, Abgeordneter zum Nationalrat (bis 1956 Klub-obmann) und Vizekanzler, 1957–1965 Bundespräsident.

Sozialpolitischer Referent des ÖGB Eduard Stark: Exil in Großbritannien bis 1945, 1954 Generaldirektor der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, Mitglied des Aufsichtsrates der Österreichischen Alpine Montangesellschaft 1959–1973

Diese Kerngruppe des WWK repräsentiert die wichtigsten sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen politischen Akteure in den unterschiedlichsten Bereichen der österreichischen Nachkriegswirtschaft um 1950. Einerseits sollte die informelle Abstimmung mit der Gewerkschaftsbewegung intensiviert werden, und andererseits wurde eine Bündelung der sozialdemokratischen Kompetenz in einem Bereich angestrebt, der vor 1933/1934 – mit Ausnahme des „Roten Wiens“ – meist konservativen Gruppierungen vorbehalten blieb: der Wirtschaft.

Gleichzeitig blieben aber SPÖ-Wirtschaftsmanagern diverse Vereinigungen, die der ÖVP nahe standen und ähnliche Netzwerke zu Wirtschaftsfragen aufbauten, verschlossen. Dies betraf insbesondere auch Manager aus der verstaatlichten Industrie.

Der Zeitpunkt der Gründung eines derartigen Kommunikationsraumes war gut gewählt. Zwar waren die ärgsten Kriegsschäden zumindest oberflächlich beseitigt, die Lebensmittelrationierung konnte aufgehoben werden, aber noch immer waren der soziale Druck auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Unterschiede zwischen Einkommen und steigenden Preisen zu hoch. Im September und Oktober 1950 kam es daher zu großen Streikbewegungen, die manche Zeitzeugen wie der spätere ÖGB-Präsident Franz Olah als Putschversuch der KPÖ interpretieren. Alle wissenschaftlichen Forschungen bestätigen zwar den massiven sozialen Druck, konkrete Indizien für einen vorbereiteten Putschversuch gibt es aber nicht. Noch war der „Turn Around“ des Wiederaufbaus nicht geschafft, umso wichtiger waren daher intensive Reflexionen über den politischen Rahmen für die Wirtschaft, die dann auch sofort in die praktische Umsetzung einfließen sollten.

Die Gründungsdokumente

Verstaatlichte Industrie in den 1950er und 1960er Jahren 

Die verstaatlichte Industrie und der verstaatlichte Bankensektor waren aber bereits der Motor des wirtschaftlichen Aufbaus der Zweiten Republik. Mit Gesetz vom 26.7.1946 waren – mit Zustimmung der ÖVP und KPÖ – 71 (statt ursprünglich vom ÖGB geforderte 235) ehemals deutsche Unternehmen verstaatlicht worden, um den sowjetischen Beschlagnahmungen des „Deutschen Eigentums“ in ihrer Besatzungszone in Niederösterreich, dem Burgenland, Mühlviertel und der sowjetischen Zone in einzelnen Bezirken Wiens entgegenzuwirken. Überdies konnte nur durch öffentliche Mittel das notwendige Investitionskapital für den Wirtschaftsaufbau aufgebracht werden. Selbst die US-Besatzungsmacht akzeptierte die Logik der Verstaatlichung durch umfangreiche Förderungen aus Marshall-Planmitteln.

Als „Deutsches Eigentum“ galten nicht nur von den deutschen Unternehmen gegründete Industriebetriebe wie die Linzer Reichswerke Hermann-Göring (die spätere VOEST), sondern auch alte österreichische Staatsbetriebe, die vom deutschen Reich übernommen worden waren, wie die DDSG (Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft) oder die Staatsanteile an der Creditanstalt-Bankverein oder die Länderbank Wien, die der Dresdner Bank gehört hatte. Insgesamt machte das „Deutsche Eigentum“ ein Fünftel der österreichischen Wertschöpfung aus. Es umfasst die drei größten Aktienbanken (Creditanstalt-Bankverein, Länderbank, Österreichisches Credit-Institut), den gesamten Kohlenbergbau, den Eisenerz-, Bleierz-, Kupfererz- und Antimonerzbergbau, die Erdölförderung und deren Raffinerien, die gesamte Hüttenindustrie, die Aluminiumproduktion, Betriebe der Elektro- und Chemieindustrie sowie die DDSG. Die verstaatlichten Unternehmungen trugen bis 1965 das lange Wachstum der Nachkriegszeit – als größte Arbeitgeber und Auftraggeber für die private Zulieferindustrie und das Kleingewerbe. 1956 und 1982 führten die verstaatlichten Unternehmen allein rund 157 Milliarden Schilling an Steuern ab und investierten im gleichen Zeitraum 131,1 Milliarden Schilling.

Bis 1966 blieb auch die politische Teilung der Einflussnahme- und Kontrollmöglichkeit bestehen – die verstaatlichten Banken unterstanden einem „schwarzen“ Finanzminister (die Länderbank wurde der SPÖ zugerechnet, die Creditanstalt-Bankverein galt als absolute ÖVP-Domäne), die verstaatlichten Industriebetriebe ressortierten bei einem „roten“ Minister. Dass es in der Praxis aber zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der scheinbar geschlossenen ideologischen Spektren kommen konnte, zeigt der Fall Landertshammer, der nach Auseinandersetzungen mit der SPÖ-Führung über Fragen der Führung der Länderbank 1952 aus der SPÖ ausgeschlossen wurde bzw. selbst austrat. Trotzdem gestaltete er erfolgreich die Rekonstruktion der konkursreifen Länderbank bis 1955. Der „schwarze“ Generaldirektor der CA-BV, Josef Joham, „überlebte“ nach einem Korruptionsfall selbst einen Antrag von Bundeskanzler Leopold Figl auf Entlassung im Ministerrat.

8 und 1944 in politischer Haft, 1945–1957 Bundesparteivorsitzender der SPÖ, Abgeordneter zum Nationalrat (bis 1956 Klub-obmann) und Vizekanzler, 1957–1965 Bundespräsident.

Sozialpolitischer Referent des ÖGB Eduard Stark: Exil in Großbritannien bis 1945, 1954 Generaldirektor der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, Mitglied des Aufsichtsrates der Österreichischen Alpine Montangesellschaft 1959–1973

Diese Kerngruppe des WWK repräsentiert die wichtigsten sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen politischen Akteure in den unterschiedlichsten Bereichen der österreichischen Nachkriegswirtschaft um 1950. Einerseits sollte die informelle Abstimmung mit der Gewerkschaftsbewegung intensiviert werden, und andererseits wurde eine Bündelung der sozialdemokratischen Kompetenz in einem Bereich angestrebt, der vor 1933/1934 – mit Ausnahme des „Roten Wiens“ – meist konservativen Gruppierungen vorbehalten blieb: der Wirtschaft.

Gleichzeitig blieben aber SPÖ-Wirtschaftsmanagern diverse Vereinigungen, die der ÖVP nahe standen und ähnliche Netzwerke zu Wirtschaftsfragen aufbauten, verschlossen. Dies betraf insbesondere auch Manager aus der verstaatlichten Industrie.

Der Zeitpunkt der Gründung eines derartigen Kommunikationsraumes war gut gewählt. Zwar waren die ärgsten Kriegsschäden zumindest oberflächlich beseitigt, die Lebensmittelrationierung konnte aufgehoben werden, aber noch immer waren der soziale Druck auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Unterschiede zwischen Einkommen und steigenden Preisen zu hoch. Im September und Oktober 1950 kam es daher zu großen Streikbewegungen, die manche Zeitzeugen wie der spätere ÖGB-Präsident Franz Olah als Putschversuch der KPÖ interpretieren. Alle wissenschaftlichen Forschungen bestätigen zwar den massiven sozialen Druck, konkrete Indizien für einen vorbereiteten Putschversuch gibt es aber nicht. Noch war der „Turn Around“ des Wiederaufbaus nicht geschafft, umso wichtiger waren daher intensive Reflexionen über den politischen Rahmen für die Wirtschaft, die dann auch sofort in die praktische Umsetzung einfließen sollten.

Der WWK im Spiegel der wirtschaftspolitischen Kompetenzänderungen bis zur  SPÖ-Alleinregierung unter Bundeskanzler Bruno Kreisky

Der WWK versuchte keineswegs, als direkte Vorfeldorganisation der SPÖ anerkannt zu werden oder durch publikumswirksame Veranstaltungen in der Öffentlichkeit tätig zu werden, sondern konzentrierte seine Aktivitäten auf interne Interaktion und den Meinungsaustausch zwischen Politikern aus SPÖ und Gewerkschaft mit dem Spitzen-, aber auch Nachwuchsmanagement aus dem Banken-, Wirtschafts- und Versicherungssektor sowie der verstaatlichten Industrie. Prägende Persönlichkeit blieb bis 1967 Karl Waldbrunner, der zu den kaum mehr erinnerten führenden Architekten des österreichischen Nachkriegswirtschaftswunders bis in die 1960er Jahre gehörte und auch als zuständiger Ressortminister ein zentraler Entscheidungsträger beim Wiederaufbau des Rundfunks war. Seine Nachfolge trat der SPÖ-Zentralsekretär Otto Probst an, der bereits dem Gründungsvorstand angehört hatte.

Entsprechende Änderungen finden sich auch bei anderen Vorstandsmitgliedern wieder. So wurde Alois Piperger 1956 2. Obmannstellvertreter von Karl Waldbrunner und in der Folge 1. Obmannstellvertreter. Bereits 1951 hatte er die Nachfolge von Julius Deutsch als Generaldirektor der „Konzentration“ angetreten. Er leitete sowohl die Holding aller der SPÖ gehörenden Druck- und Verlagsunternehmen als auch die Vorwärts-AG, das größte Unternehmen in dieser Gruppe. Piperger trug damit die zentrale Verantwortung für 1.200 hauptberuflich tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 1971 wurde er zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Österreichischen Länderbank gewählt.

Ein wichtiger künftiger Wiener Spitzenpolitiker, Bruno Marek, scheint erstmals 1956 im Vorstand auf. Er war bereits seit 1945 Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderats, 1949–1965 überdies 1. Präsident des Wiener Landtags, 1965–1970 Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien. Auch Bürgermeister Felix Slavik, Mareks Nachfolger, war im Vorstand des WWK tätig.

1957 wurde auch der legendäre Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung, Norbert Liebermann, Vorstandsmitglied des WWK, ebenso wie später sein Nachfolger in dieser Position, Dkfm. Dr. Erich Göttlicher.

Die Gründungstradition, dass die jeweiligen Präsidenten des ÖGB dem WWK angehören, blieb auch nach dem Tod von Johann Böhm vorerst ungebrochen – mit Franz Olah und Anton Benya.

Sogar zwei spätere österreichische Bundeskanzler gehörten, lange bevor sie ihre Spitzenpositionen einnahmen, dem Vorstand des WWK an – ein Signal für die Tradition seit Karl Waldbrunner, den Wiener Wirtschaftsklub auch zur Talenteförderung auszurichten: Bruno Kreisky gehörte dem WWK seit 1967 an – noch vor seiner letztlich überraschenden Wahl zum Parteivorsitzenden der SPÖ – und Franz Vranitzky seit 1979, damals Stellvertretender Generaldirektor der Creditanstalt-Bankverein.

1979 wurde der WWK deutlich erweitert und zugleich vertieft. Der neugewählte Obmann, Vizekanzler und Finanzminister Hannes Androsch, wollte dem WWK neues Gewicht verleihen, nachdem seit 1970 die SPÖ in einer Alleinregierung zunehmend an Wirtschaftskompetenz gewonnen hatte und gleichzeitig die wirtschaftspolitischen Transformationsnotwendigkeiten nach der ersten Erdölpreiskrise 1974 und vor allem nach dem zweiten Erdölpreisschock 1978 deutlich sichtbar waren.

Die großen Wachstumsraten waren auch international bereits 1973/1974 zu Ende gegangen, die Krise der verstaatlichten Industrie und auch die Bankenrestrukturierungen der 1980er Jahre waren für Experten bereits spür- und sichtbar. Vizekanzler Androsch versuchte, im WWK die „ökonomischen Kapazitäten, die der SPÖ angehörten, zu vermehren und zu bündeln und auch Nachwuchs zu fördern“, um die „goldenen 1970er Jahre, die Wachstum, Wohlfahrt und einen Schub Lebensqualität brachten“ zu erhalten und auszubauen. Androsch holte den Nationalratsabgeordneten und Präsidenten des Freien Wirtschaftsverbandes Kurt Mühlbacher als Obmann-Stellvertreter in den Vorstand, Vorstandsdirektor Ing. Ernst Interholzinger hatte diesem bereits angehört. Seitens der Stadt Wien war Finanzstadtrat Hans Mayr aktiv. Der Generaldirektor der Länderbank, Dkfm. Dr. Wolfgang Erndl, gehörte ebenso zu dieser neuen Gruppe wie der spätere Generaldirektor der Österreichischen Elektrizitätswirtschafts AG, Dr. Walter Fremuth, der spätere Verkehrsminister Dr. Rudolf Streicher, Beppo Mauhart, Generaldirektor-Stellvertreter der Austria Tabak, und der Generaldirektor der Zentralsparkasse und Kommerzialbank, Dr. Karl Vak.

1979 war auch das Jahr, in dem ein neues Büro in der Wipplinger Straße 35 bezogen wurde, organisiert und geleitet von der langjährigen Seele des Sekretariats, Mimi Meszaros. Trotz des Auszugs aus dem historischen Palais Strudelhof blieb die Verbindung zum ÖGB gewahrt – über Anton Benya und indirekt auch über den Generaldirektor der Gewerkschaftsbank, der Bank für Arbeit und Wirtschaft, Generaldirektor Walter Flöttl, sowie Professor Fritz Klenner, Generaldirektor der BAWAG 1963–1972, Vorsitzender des Aufsichtsrates der BAWAG 1972–1981.

Von der Restrukturierungsphase der österreichischen Wirtschaft zur EU-Mitgliedschaft bis zur Jahrtausendwende

Bis 1989 blieb der Vorstand fast unverändert, erst nach der Wahl Kurt Mühlbachers zum neuen Obmann wurde er verkleinert, wobei der Generaldirektor der ÖIAG, Dr. Hugo Sekyra, der Generaldirektor-Stellvertreter der Creditanstalt-Bankverein, Dkfm. Gerhard Randa, sowie der Generaldirektor der Länderbank, Dkfm. Gerhard Wagner neu dazugekommen sind. Die beiden letztgenannten Bankmanager waren an zentraler Stelle in die Restrukturierung der Länderbank und in die Gründung der Bank Austria aus einer Fusion von Zentralsparkasse und Länderbank in den 1990er Jahren involviert. In den privaten Firmenzusammenbrüchen und in den hohen Verlusten in der verstaatlichten Industrie zeigte es sich, dass die zunehmende internationale Krise, aber auch die verstärkte Konkurrenz in vielen Fällen mit Mitteln des Wiederaufbaumanagements nicht mehr bewältigt werden konnte. Erst eine neue Managergeneration sollte diese Strukturänderungen Ende der 1990er Jahre wieder in den Griff bekommen und sich erfolgreicher auf internationalen Märkten bewegen. Gerhard Randa stellte beispielsweise im Rahmen der Privatisierung die Creditanstalt-Bankverein mit der Bank Austria die Weichen und bereitete auch die Fusion der Bank Austria Creditanstalt als eigenständige Bank der Regionen mit der HVB (HypoVereinsbank) als Mutterbank vor, die 2005 ihrerseits mit der Mailänder Großbank UniCredit zusammenging und damit die zehntgrößte Bank Europas und die größte in Zentral- und Osteuropa entstand. Mit dieser Fusionskette wurden auch eine Reihe von Tabus in der umfassenden Anpassung und Privatisierung der bisherigen verstaatlichten Banken gebrochen.

Eine weitere Restrukturierung erfolgte 1998, als der damalige Staatssekretär im Finanzministerium und spätere Generaldirektor der OMV, Dr. Wolfgang Ruttenstorfer, zum Präsidenten gewählt wurde. Ziel seiner Tätigkeit war es, nach den erfolgreichen 1970er Jahren und der Transformationsphase in den 1980er und 1990er Jahren mitzuhelfen, „Österreichs Wirtschaft an die Spitze Europas zu bringen und durch die volle Integration in die EU die isolierte Lage in vielen Wirtschaftsbereichen zu beenden“. Vor dem Hintergrund der Anpassung der österreichischen Wirtschaft an die neuen Rahmenbedingungen nach dem Beitritt zur Europäischen Union 1995 stellten sich auch andere Fragen in den internen Diskussionen. Sowohl die Integrationsmöglichkeiten, die Erweiterung des Aktionsrahmens von Betrieben – vor allem in den Raum Zentral-, Ost- und Südosteuropas – aber auch die Zwänge der Globalisierung und der permanente Anpassungs- und Reformdruck waren einige der Diskursfelder.

Als Vizepräsidenten suchten der Nationalratsabgeordnete Mag. Dietmar Hoscher und Mag. Hanns Kratzer verstärkt eine jüngere Generation in den WWK zu integrieren. Der neue Generalsekretär, Mag. Peter Gross, signalisierte, dass nicht die Anzahl der Mitglieder – rund 250 Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft – entscheidend sei, sondern deren Qualität und Interaktionsbereitschaft im Rahmen des WWK.

 

Für eine soziale und Innovative Wirtschaftspolitik am Beginn des neuen Jahrtausends

In der Generalversammlung 2000 wurde Dr. Hannes Androsch und in der Generalversammlung 2002 Dr. Franz Vranitzky aufgrund ihrer Verdienste die Ehrenmitgliedschaft des Wiener Wirtschaftsklubs verliehen.

2005 wurde 55 Jahre Wiener Wirtschaftsklub gefeiert. Zu diesem Anlass wurde das Buch „55 Gedanken zur Zukunft der Wirtschaft“ präsentiert. In diesem Buch haben 55 Mitglieder des WWK ihre Beiträge geschrieben. Bei der Festveranstaltung sprachen der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement und Bundeskanzler a.D. Dr. Franz Vranitzky.

In der Generalversammlung 2007 wurde Mag. Herbert Kaufmann zum Präsidenten gewählt  und dem scheidenden Präsidenten Dr. Wolfgang Ruttenstorfer wurde die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

2011 folgt als Präsident Dr. Martin Krajcsir und Mag. Herbert Kaufmann wird Ehrenmitglied des Wiener Wirtschaftsklubs.

 

In der Generalversammlung 2013 wird der langjährige Vizepräsident Mag. Hanns Kratzer zum Präsidenten und AK-Präsident Rudi Kaske zum Vizepräsidenten gewählt.

In der Generalversammlung 2014 wurde Bundesminister a.D. Erwin Lanc die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Am Gründungstag, dem 12. Mai 2015 feierte der Wiener Wirtschaftsklub im Palais Strudlhof, dem Gründungsort, sein 65 jähriges Bestehen. Die Festredner waren Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Bundesminister Alois Stöger, Zur Geschichte des WWK sprachen die Ehrenmitglieder BM. a.D. Erwin Lanc, Dr. Wolfgang Ruttenstorfer und Mag Herbert Kaufmann. Weiters sprachen WWK-Präsident Mag. Hanns Kratzer, Vizepräsident AK-Präsident Rudi Kaske und Generalsekretär Mag. Peter Gross.

Die Präsidenten des Wiener Wirtschaftsklubs seit 1950

1950–1968 Dipl.-Ing. Karl Waldbrunner

1968–1979 Otto Probst

1979–1989 Dr. Hannes Androsch

1989–1998 Kurt Mühlbacher

1998–2007 Dr. Wolfgang Ruttenstorfer

2007–2011 Mag. Herbert Kaufmann

2011–2013 Dr. Martin Krajcsir

seit 2013  Mag. Hanns Kratzer

Die Vorstandsmitglieder des WWK seit 1950

 

Androsch Hannes 1979-1989, Auböck Thomas seit 2009, Benya Anton 1964-1989, Binderlehner Franz seit 2015, Blachfellner Walter seit 2005, Blaha Martina 2007-2011, Böhm Johann 1950-1958, Brauner Renate seit 2007, Deutsch Julius 1950-1955, Domschitz Gabriele seit 2007, Dörflinger Günter seit 2005, Draskovits Norbert seit 2007, Duschek Thomas seit 2013, Egger Harald 1965-1991, Erndl Wolfgang 1979-1989, Fiala Helmut seit 2009, Flatz Angelika seit 2011, Flöttl Walter 1977-1979, Foglar Erich seit 2011, Förg Franz 1957-1965, Fremuth Walter 1979-1989, Gartlehner Kurt 2007-2013, Gehl Heinz 2000-2003, Göttlicher Erich 1964-19, Graf Martin seit 2009, Gross Peter seit 1995, Grüneis Robert seit 2007, Gusenbauer Alfred 2005-2011, Haar Josef 1966-1977, Haberzettl Wilhelm seit 2009, Hackel Heimo seit 2007, Haiden Alfons 1990-1995, Hall Marc seit 2013, Hebenstreit Roman seit 2015, Hechtner Erich 2002-2007 und seit 2011, Hesoun Wolfgang seit 2005, Hintschig Alfred 1968-1989, Höfinger Paul 1989-1998, Höfinger Peter seit 2007, Hoscher Dietmar seit 1998, Interholzinger Ernst 1978-1998, Jarolim Hannes seit 2007, Jilka Brigitte seit 2007, Just Karl 1998-2002, Kadrnoska Friedrich 1996-1998, Kaske Rudi seit 2013, Katzer Martin seit 2013, Kaufmann Herbert 2005-2011, Kietreiber Gerhard 1993-1998, Kirschner Ewald seit 2003, Klein Bernhard 1974-1979, Kleindienst Kurt 1995-2000, Klenner Fritz 1968-1989, Korp Andreas 1950-1966, Kosyna Franz seit 2007, Krajcsir Martin 2005-2013, Kranzl Christa seit 2007, Kratzer Hanns seit 2002, Kreisky Bruno 1967-1986, Landertshammer Franz 1950-1955, Legradi Herbert 1998-2002, Lehr Friedrich seit 2007, Liebermann Norbert 1957-1961, Machart Ernst seit 2013, Machtl Josef 1979-1989, Maisel Karl 1950-1966, Marek Bruno 1955-1971, Martinovsky Alexander 1979-1989, Matthä Andreas seit 2007, Matznetter Christoph 2009-2011, Mauhart Beppo 1979-1989, Maxonus Stephan seit 2005, Mayer Helmut seit 1999, Mayr Hans 1979-1989, Meszaros Kurt 1964-1989, Mezgolits Emil 1998-2007, Migsch Alfred 1950-1957, Miksits Helmut 2005-2013, Millauer Karl Michael 1998-1999, Moser Johann seit 2007, Moser Manfred 2003-2015, Mühlbacher Kurt 1979-1998, Novak Barbara seit 2009, Nowotny Ewald seit 2007, Olah Franz 1961-1964, Pavlis Lois 1980-1998, Pavusek Marjan 1996-2007, Payr Gabriele 2009-2013, Peer Walter seit 2009, Piperger Alois 1955-1998, Pittermann Bruno 1950-1979, Pogats Erich 1973-1979, Pöcho Hans seit 2011, Probst Otto 1950-1979, Proksch Anton 1950-1964, Rabensteiner Günther seit 2011, Ramser Karin seit 2011 Randa Gerhard 1989-2000, Ranftl Leopold 1955-1968, Ruttenstorfer Wolfgang 1998-2007, Sallaberger Günther 1980-2003, Samstag Karl 2007-2011, Schärf Adolf 1950-1958, Scheed Norbert 2002-2014, Schmid Gerhard 2005-2013, Scholten Rudolf seit 2009, Schneider Ferdinand 1998-2003, Schneider Rudolf 1976-1989, Schranz Ronald seit 2009, Sekyra Hugo 1989-1991, Slavik Felix 1971-1980, Stadler Klaus 1990-2002, Stark Eduard 1950-1968, Steßl Sonja seit 2015, Straka Alice 1991-1996, Streicher Rudolf 1979-1989, Sturz Friedrich 1961-1968, Svihalek Fritz 1998-2002, Trattner Christian seit 2003, Uher Julian 1976-1986, Vak Karl 1979-1990, Vranitzky Franz 1979-1989, Wagner Gerhard 1989-1990, Waldbrunner Karl 1950-1971, Waldmann Dieter 1995-2007, Waldmann Ludwig 1989-1995, Westermayr Reinhard 1989-1998, Winter Eduard seit 2011, Wittmann Peter seit 2003, Wojta Christian seit 2009, Zeglovits Helmut seit 2000, Zimmermann Rupert 1966-1979, Zwettler Johann 2005-2007

55 Gedanken zur Zukunft der Wirtschaft

Mit dieser Sammlung von 55 Gedanken zur wirtschaftlichen Zukunft schlug der Wiener Wirtschaftsklub 2000 eine Brücke zwischen der vormals erfolgreichen Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte und konkreten Ansätzen für die Gestaltung einer besseren Wirtschaftspolitik – aktiv für eine Wirtschaft für die Menschen!

Die Autorenschaft – ein Who is Who des Wirtschaftslebens: Dr. Hannes ANDROSCH, Mag. Thomas AUBÖCK, Mag. Gabriele BECH, Mag. Walter BECVAR, KR Franz BIRK, LR Walter BLACHFELLNER, Günter DÖRFLINGER, Dr. Gabriele DOMSCHITZ, Mag. Dietmar ECKER, Mag. Brigitte EDERER, Dr. Peter ERLACHER, Dr. Ferdinand FELIX, Mag. Peter GROSS, Mag. Robert GRÜNEIS, NR Dr. Alfred GUSENBAUER, Mag. Gerald HASLER, OSR Dr. Erich HECHTNER, Ing. Wolfgang HESOUN, Hermann HOLZER-SÖLLNER, Mag. Dietmar HOSCHER, Ing. Franz HRACHOWITZ, Mag. Herbert KAUFMANN, SR Mag. Emmerich KERI, Ing. Ewald KIRSCHNER, Dr. Martin KRAJCSIR, Mag. Hanns KRATZER, Mag. Friedrich LEHR, MBA, Dr. Roland LENGAUER, NR Dr. Christoph MATZNETTER,Mag. Stephan MAXONUS MBA, KR Helmut MAYER, KR Dr. Emil MEZGOLITS, Ing. Mag. Helmut MIKSITS, NR Mag. Johann MOSER, Dr. Manfred MOSER, Mag. Franz NAUSCHNIGG, Dir. KR Friedrich PACEJKA, SR Mag. Karl PAUER, Dr. Renate PLATZER, LtgAbg. Mag. Andreas RENDL, Dr. Wolfgang RUTTENSTORFER, Mag. Karl SATTLER, Norbert SCHEED, Ing. Gerhard SCHMID, Dr. Hannes SCHOBERWALTER, Ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard STREJCEK, Dkfm. Dr. Franz VRANITZKY, DI Eduard WINTER, NR Dr. Peter WITTMANN, Ing. Mag. Christian WOJTA MBA, KR Dr. Helmut ZEGLOVITS, Ao. Univ.-Prof. Dr. Christian ZIB, Mag. Dr. Peter ZÖLLNER, Dkfm. Johann ZWETTLER, Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb (Geschichte), KR Dipl.Komm.-kfm. Konrad MARIC (Redaktion).

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